Project Description

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Projektbeschreibung


„Wir bauen unsere Wohnung um die Küche herum“
Bei dem Bauvorhaben handelt es sich um den Neubau eines komplett ausgebauten, innerstädtischen Wohnhauses mit zwei Wohneinheiten, bestehend aus 4 Obergeschossen, einem Untergeschoß und einer Gartenanlage. Zudem entstehen 2 PKW-Stellplätze, die mit einem Flugdach geschützte werden.
Das Quartier nördlich der Invalidenstraße und östlich des Spandauer Schifffahrtskanals in Berlin Mitte ist durch eine vielfältige Bebauungs- und Nutzungsstruktur geprägt. Neben Regierungsinstitutionen, Verwaltungs- und Wohnungsbauten aus mehreren Jahrhunderten finden sich historische Landmarken neben profanen Gebäuden jüngeren Datums, sowie ein unter Denkmalschutz stehender Friedhof am Berliner Mauerweg.

„Am Ende der Welt“ rechts abbiegen
Das Grundstück wird über eine Privatstraße erschlossen, die bogenförmig eine Neubausiedlung mit der Scharnhorststraße verbindet. Im rückwärtigen Bereich grenzt das Grundstück an den „Pankepark“, der zur Zeit neu errichtet wird und dem renaturalisierten Bachlauf „Panke“ eine artifizielle „Auenlandschaft“ gibt.
Ein als Rotunde getarntes DDR-Heizkraftwerk, eine behördliche „Megastruktur“ (Bundesnachrichtendienst) und hippe Reihenhäuser runden eine heterogene und durchaus „postmoderne“ Stadtlandschaft ab.

Monolith
Die Kubatur des Doppelhauses nimmt die Formensprache der bestehenden nachbarlichen Reihenhäuser auf und staffelt sich in mehreren Schritten entsprechend der Lichtverhältnisse und des internen Nutzersprogrammes. Die Erschließung der beiden Wohnungen erfolgt straßenseitig durch getrennte Wohnungseingangstüren.
Der Vorgarten erhält eine akzentuierende Begrünung mit Sitzmöglichkeit. Die seitlichen und rückwärtigen Außenanlagen werden als „gestauchter“ Landschaftspark konzipiert und gemeinschaftlich von den Bewohnern genutzt. Die nördlich angeordnete Gartenmauer begrenzt und schützt den „Landschaftspark“ von einem zu erwartenden Neubau.

Die „handgestreichelte“ Backsteinfassade
Die Fassade besteht aus einem vorgehängten Verblendmauerwerk aus recycelten Backsteinen im Reichsformat. Die Steine stammen von einem ehemaligen Gehöft in Sachsen-Anhalt, wurden abgetragen, gereinigt, sortiert und nach Berlin transportiert und in Handarbeit im „wilden Verband“ verbaut.
Die Anordnungen und Größen der Fenster richten sich nach dem Nutzerprogramm, wurden gemeinsam mit den späteren Bewohner „von innen heraus“ geplant. Die Fenster bestehen aus einer Holz-Aluminium Kombination. Innenseite: Holz (Fichte in den Obergeschossen, Eichenholz im Erdgeschoß). Außenseite: Aluminium Strangpressprofile natureloxiert.
Die Fensterscheiben bestehen aus einer 3-fach Isolierverglasung, Uw-Wert 0,8 W/(m²K), g=0,5, teilweise aus VSG bei Festverglasungen.
Als Sonnenschutz wurden außen liegende Aluminium Raffstores verwendet, schienengeführt und motorisch bedienbar. Die Sonnenschutztaschen sind mit Backsteinen im Grenadierverband überdeckt.

Sichtbeton vs. Rohbeton
Für alle außenseitigen und innen liegenden Oberflächen ist ein abgestimmtes Material– und Farbkonzept entwickelt worden. Demnach wurden Baumaterialien vornehmlich in ihrer „natürlichen“ Erscheinung verwendet und lediglich durch schützende Oberflächenbehandlung „veredelt“, zB Imprägnierung beim Sichtestrich, Klarlackierung bei Hölzern.
Die Treppenläufe wurden als Sichtbetonfertigteile in „SB4“ Qualität hergestellt. Die Treppenhausinnenwände dagegen wurden bewusst ohne „definierte“ Sichtbeton-Klassifizierung errichtet, so dass „Sichtbeton vs. Rohbeton“ den Hintergrund für eine „Vertikale Galerie“ bildet.

Individualisierte Wohnungsplanung
Beide Wohnungen wurden in workshop-artigen Prozessen gemeinsam mit den späteren Bewohnern entwickelt, dadurch sind teilweise überraschende Grundrisslösungen entstanden. Teilweise wurden durch die Verwendung von schaufensterartigen Glasflächen die Außenanlagen mit den Innenräumen großzügig verzahnt. Mehrere Dachterrassen folgen unterschiedlichen Nutzerprogrammen, von der nicht einsehbaren „Patio-Terrasse“ mit Sauna-Anschluss bis zur Dachterrasse mit Alex-Blick.

Planungsteam
Planung Architektur pfeifer architekten
Markus Pfeifer Dipl.-Ing. Architekt
Sylvia Brandt MA Dipl.-Ing. Architektin
Tragwerksplanung Niehues Winkler Ingenieure
Frank Niehues, Dipl.-Ing.
Technische Gebäudeausstattung planungsteam energie + bauen
Dr. Matthias Kloas
Bauphysik / Passivhausplanung jh-ingenieure GmbH
Jens Hanisch
Landschaftsarchitekt Ferdinand Kramer 
Architektur Gartenplanung
Brandschutzkonzept Reinhard Eberl-Pacan
Vermesser Hartmut Zoll
Bodengutachten Ingenieurbüro für Geotechnik
 Dr. Tischer
SiGeKo b.ing, Sabine Reppmann

Kennwerte Passivhaus light
Jahresheizwärmebedarf: 18 kWh/(m²a)
Heizlast: 10 W/m²
Luftdichtigkeit n50: 0,19/h (Blowerdoor Test)
zentrale Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung
Sommer- vs. Winterlüftung
eine Erdwärmebohrung (100m tief)
Primärenergiebedarf 100 kWh/(m²a)
Große Fensterflächen zur Sonne, um den solaren Energieeintrag „passiv“ zu nutzen
gesteuerter Sonnenschutz
Nachtauskühlung
Sorarthermische Anlage auf dem Dach

Gebäudekennwerte
Bruttogeschossfläche: 840 m²
Bruttorauminhalt: 2.700 m³
Wohnungsgrößen: 360 + 210 = 570 m²

Planungsbeginn: 03/2012
Baubeginn: 11/2013
Fertigstellung: 12/2014